Stefanie Reinsperger: Loslassen lernen
Stefanie Reinsperger: Eine Schauspielerin, die sich selbst liebt und versteht
Stefanie Reinsperger ist eine der renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Vor kurzem gab sie bekannt, dass sie ihre Zeit bei der beliebten Krimiserie „Tatort“ beendet hat. Doch Fans müssen sich nicht sorgen, denn die sympathische Österreicherin wird am Sonntag (30. November 2025) im ZDF-Herzkino zu sehen sein. In dem Film „Liebesbrief an Jenny“ spielt sie die Titelfigur, eine Romanze, die sowohl über Liebe als auch über Äußerlichkeiten spricht.
Im Interview mit der Presse sprach Reinsperger über ihre Rolle, Selbstzweifel, Ungeduld und ihren Abschied vom „Tatort“. Ein Satz aus dem Film blieb ihr besonders in Erinnerung: „Ich war nie genug und trotzdem immer zu viel.“ Was bedeutet dieser Satz für sie als Schauspielerin?
„Manchmal denke ich, dass man es als Frau sowieso nicht allen recht machen kann“, sagt Reinsperger. „Ich kann es ja nicht einmal mir selbst recht machen. Aber etwas, das ich von dieser Rolle sehr mitgenommen habe, ist, dass man seine eigene beste Freundin sein muss.“ Sie betont, dass sie gerne die beste Freundin für andere sei, aber nicht für sich selbst. Die eigene Stimme im Kopf sei oft so hart.
Verbindungen zwischen Rollen und Persönlichkeit
Reinsperger gibt zu, dass sie gerne laut spiele und sich oft in ihrer Rolle wohler fühle als in ihrer eigenen Wohnung. „Ich fühle mich in meinen Rollen ganz oft mehr zu Hause als in meiner eigenen Wohnung.“ Das ist für sie ein wichtiger Aspekt ihres Berufs.
Ihre innere Stimme ist für sie ein Thema. „Meine Personal-Trainerin hat mich gefragt, ob meine Stimme im Kopf mich umarmt oder streng ist“, erzählt sie. „Da habe ich gesagt, dass ich mich selbst anpöbele.“ Wenn zum Beispiel ein Drehtag nicht gut lief, sei sie streng zu sich selbst. Doch es gebe auch Momente, in denen sie sich selbst umarme und dankbar sei für ihre körperliche Kraft.
Geduld und Selbstreflexion
Reinsperger beschreibt sich als ungeduldigen Menschen, besonders mit sich selbst. „Wenn ich ein neues Kartenspiel habe, will ich es sofort können.“ Doch bei der Arbeit sieht sie das anders. „Es ist ein Geschenk, dass ich das, was ich liebe, als Beruf ausüben darf.“ Sie genieße es, neue Menschen kennenzulernen und Herausforderungen zu meistern.
Doch auch in ihrem Beruf gibt es Tiefs und Selbstzweifel. „Jeder neue Drehtag ist ein neues nicht-wissen.“ Vor ersten Drehtagen schlafe sie oft nicht, weil sie so aufgeregt sei. „Es ist wie ein erster Schultag.“
Loslassen und Neuanfang
Wenn sie eine Rolle nicht bekommt, fragt sie sich zunächst, ob sie alles gegeben hat. Doch sie weiß auch, dass viele Faktoren außerhalb ihrer Kontrolle liegen. „Man muss lernen, loszulassen, irgendwann kommt wieder etwas anderes.“
Ihre Rolle Jenny ist eine sehr taffe Frau, angekommen in Beruf und Leben. „Es steckt jetzt auf jeden Fall mehr Jenny in Stefanie als umgekehrt.“ Sie ist dankbar für Rollen, bei denen sie etwas mitnehmen kann. Jenny sei in vielen Punkten weiter als sie selbst.
Hamburg und neue Wege
Reinsperger beschreibt Hamburg als ihre neue Wahlheimat. „Hamburg hat es mir angetan. Es klingt kitschig, aber ich hatte nur schöne Begegnungen.“ Sie hat einen besonderen Zusammenhang mit der Stadt und sieht dort Zukunftsmöglichkeiten.
Der Film „Liebesbrief an Jenny“ wird am Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt. Vorab ist er bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar. Der Film ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch politisch relevant. „Der Körper einer Frau ist ein Politikum“, sagt Reinsperger. „Wir leben in einer Welt, in der dir als Frau suggeriert wird, dass du dich optimieren musst.“
Abschied vom „Tatort“ und neue Türen
Reinsperger verlässt das „Tatort“ nicht leicht. „Es war nicht leicht, aber ich wollte Raum für Neues schaffen.“ Sie möchte neue Türen öffnen, dafür muss sie alte Dinge hinter sich lassen. „Ich bin dankbar für die Ecken und Orte, die ich entdecken durfte.“
Ihr letzter „Tatort“-Dreh war emotional. „Ich war nicht darauf vorbereitet, wie oft ich während dieses Drehes weinen werde.“ Doch es war ein liebevoller Abschied. „Es war ein sehr toller, letzter Dreh.“
Für Reinsperger gilt das Motto „Kill your Darlings“ – es ist wichtig, loszulassen, um weiterzukommen. Und das tut sie mit Mut und Dankbarkeit.

