Deutschlands Oscar-Hoffnung: Nina Hoss im FILMSTARTS-Interview

Nina Hoss und die Rolle der Eileen Lovborg in „Hedda“

Vor drei Jahren war Nina Hoss bereits ein Name, der in den Oscar-Kreisen auf sich aufmerksam machte. Mit ihrer Darstellung in „Tár“ und „A Most Wanted Man“ hatte sie sich international einen Namen gemacht. Obwohl sie dieses Mal nicht für den Oscar nominiert wurde, hat sie dabei viel gelernt – insbesondere an der Seite von Cate Blanchett. Jetzt gibt es eine neue Chance: In der Amazon-Adaption „Hedda“, basierend auf dem Klassiker von Henrik Ibsen, verkörpert sie die queere Literaturwissenschaftlerin Eileen Lovborg. Ihre Rolle ist besonders faszinierend, da sie mit einem Buch über Fetisch-Praktiken den akademischen Apparat auf den Kopf stellt.

Nina Hoss kennt das Stück bereits gut, denn sie hat die Titelfigur Hedda Gabler bereits jahrelang auf der Bühne gespielt. Das macht ihre Darstellung in der Neuverfilmung noch intensiver. Die Regisseurin Nia DeCosta hat die Handlung aus den 1890ern in die 1950er verlegt und aus dem Ex-Geliebten Ejlert Løvborg die Ex-Geliebte Eileen Lovborg gemacht. Dieser Geschlechterwechsel bringt neue Dimensionen in die Figur und verändert die Dynamik der Geschichte.

Der Name Eileen Lovborg

In einem Interview mit junterhaltungjetzt wird gefragt, ob Eileen Lovborg wohl der coolste Rollenname sei, den Nina Hoss je gehabt habe. Hoss antwortet, dass sie sich nie darüber Gedanken gemacht hat. Sie findet es jedoch toll, dass der Name etwas Besonderes ist. Vor allem in „Hedda“ spielt der Name eine große Rolle, da er bereits vor ihrem Auftritt ständig verwendet wird. Eileen Lovborg erreicht dadurch eine mythologische Dimension, bevor sie überhaupt zum ersten Mal gesehen wird. Für Hoss ist dies sowohl ein Geschenk als auch eine Herausforderung. Sie betont, dass man nicht oft Rollen bekommt, bei denen man erst nach einer halben Stunde eingeführt wird. Doch die Erwartungen müssen dann von Sekunde eins an erfüllt werden.

Das Kostüm und die Darstellung

Das Kostüm, das Nina Hoss trägt, ist sehr auffällig. Es wurde gemeinsam mit Lindsay Pugh entwickelt. Im Gegensatz zu einer traditionellen Kleidung wie einem Anzug und einer Krawatte, die eine männliche Identität signalisieren würden, soll das Kleid zeigen, dass Eileen sich nicht für ihre Weiblichkeit entschuldigt. Gleichzeitig erinnert das Material an einen Smoking. Ein weiterer Aspekt ist, dass das Kleid in einer Szene funktionieren muss, in der Eileen nass vor die Männer tritt und ihr Kleid durchsichtig wird. Zudem sollte es wie ein Korsett wirken, da Eileen erst seit drei Monaten trocken ist und ihre Festigkeit noch fehlt.

Erfahrung mit Hedda Gabler

Nina Hoss hat Hedda Gabler bereits in einer ikonischen Inszenierung am Deutschen Theater verkörpert. Als sie Tessa Thompson kennenlernte, wusste diese bereits, dass Hoss die Rolle gespielt hatte. Allerdings wusste sie nicht, dass Hoss die Rolle über einen so langen Zeitraum gespielt hatte – mindestens sechs Jahre. Dies half Hoss dabei, das Material vollständig loszulassen und sich in der neuen Version auf die Arbeit mit Tessa Thompson zu konzentrieren.

Der Geschlechtertausch

Als Nina Hoss vom Geschlechtertausch hörte, verstand sie sofort, was damit gemeint war. Sie erkannte, dass der Druck, der auf Eileen liegt, doppelt so hoch ist wie auf Ejlert. Bei Ejlert könnte man denken, dass er eine zweite Chance bekommt, aber bei Eileen, die in den 1950er Jahren über weibliche Sexualität schreibt, ist die Situation anders. Hoss denkt dabei an Shere Hite, die den Hite-Report veröffentlichte.

Humor und Ernst im Film

Im Interview wird auch erwähnt, dass hinter den Kulissen bei Tragödien oft mehr gelacht wird als bei Komödien. Bei „Hedda“ gab es immer wieder Szenen, in denen der Rhythmus besonders wichtig war. Zum Beispiel, als Eileen zum ersten Mal wieder das Glas nimmt und trinkt. Das muss schnell passieren, als ob sie gar nicht merkt, was sie tut. Sie wird getrieben und greift hin – und schon ist verloren.

Musik und Rhythmus

Der Film spielt fast ausschließlich in einer einzigen Nacht auf einer Party. Der fließende Rhythmus ist daher entscheidend. Der treibende Jazz-Score spielt eine große Rolle. Hildur Guðnadóttir war selbst am Set und hat Stimmen und Atemgeräusche aufgenommen. Nia DeCosta wollte, dass der Atem im Score eine große Rolle spielt. Hoss ist begeistert von der Arbeit, die Hildur leistet.

Awards-Saison und Prozess

Nina Hoss reist weltweit für den Film. Sie fragt sich, wie der Prozess abläuft, wenn Studios entscheiden, welche Filme und Personen sie puschen wollen. Sie glaubt, dass es einfach so kommt und dass man die Zeit dafür hat. Sie freut sich über die Möglichkeit, über ihre Arbeit zu sprechen, und hofft auf Nominierungen.

Entspanntheit und Vorerfahrung

Nach der Erfahrung mit „Tár“ fühlt sich Hoss diesmal entspannter. Sie dankt Cate Blanchett dafür, dass sie ein Profi war und sie folgen konnte. Ohne diese Vorerfahrung wäre es vielleicht überfordernd gewesen.

Karriere und Zusammenarbeit

Nina Hoss hat drei Karrieren: in Deutschland, Hollywood und bei internationalen Festival-Regisseur*innen. Sie arbeitet mit Radu Jude und anderen, weil sie den Stoff mag und die Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet. Sie spielt gerne auf Deutsch, aber auch auf Englisch oder Französisch ist spannend. Sie freut sich darauf, noch lange zwischen diesen Sprachen hin und her zu tanzen.

Similar Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *