Andrea Sawatzki in Düsseldorf: Roman „Biarritz“ im Fokus
Andrea Sawatzki in Düsseldorf: Lesung aus ihrem autobiografischen Werk
Andrea Sawatzki, Schauspielerin und Autorin, ist derzeit auf Lesereise durch Deutschland. In Düsseldorf hat sie sich Zeit genommen, um aus ihrem Buch „Biarritz“ zu lesen. Der Auftritt im Savoy Theater am Freitag war ein Highlight für die Fans, die die Schauspielerin vor allem aus dem Fernsehen kennen. Mit der Rheinischen Post sprach sie über ihre Werke und die Bedeutung der Lesungen.
Im letzten Wochenende war Andrea Sawatzki in zwei TV-Produktionen zu sehen – sowohl in „Die Verteidigerin“ als auch gemeinsam mit ihrem Mann Christian Berkel in der Komödie „Taxi für 2“. Jetzt ist sie persönlich in Düsseldorf präsent, wo sie den direkten Kontakt zum Publikum sucht. Die Lesetour, die bis April in 20 Städten stattfindet, ist gut organisiert und macht das Reisen leicht. Für Andrea sind die Lesungen fast wie eine Ersatztheaterarbeit, da sie nicht mehr auf der Bühne steht.
Themen, die berühren
Andrea Sawatzki spricht in ihren Büchern über tiefgreifende Themen, die vielen Menschen nahestehen. In „Brunnenstraße“ erzählt sie von ihrer bedrückenden Kindheit und der Alzheimer-Krankheit ihres Vaters. Sie musste früh Verantwortung übernehmen und trug eine große Last. „Biarritz“ ist eine offene und wahrheitsgemäße Darstellung ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. Allerdings nennt sie sich in dem Buch nicht Andrea, sondern Hanna. Dieser künstlerische Ansatz dient dazu, Distanz zu schaffen und die Erinnerungen nicht zu sehr an sich heranzulassen.
Andrea fühlte sich nach „Brunnenstraße“ bereits genug von ihrer Jugend preisgegeben. Doch der Drang, ihre Mutter zu rehabilitieren, blieb. Während des Schreibprozesses suchte sie nach einer gewissen Distanz, um die Themen nicht so intensiv zu erleben. Es war ihr auch zu privat, ihre Person als Schauspielerin und Familie einzubeziehen. Trotzdem strahlt Andrea eine große Lebensfreude aus, was viele überrascht.
Von Trauma zur Selbstannahme
Andrea erklärte, dass es Jahre dauerte, bis sie sich selbst annahm und akzeptierte. Die Kindheit und die Anfeindungen haben sie lange beschattet. Erst mit 35 Jahren begann sie zu erkennen, dass sie liebenswert sein könnte und nicht so viel Schuld auf sich geladen hatte. In diesem Alter lernte sie ihren Mann kennen, und das Bedürfnis, etwas zurechtzurücken, wurde bewusst, als sie zwei Söhne bekam. Eine gute Mutter kann sie erst sein, wenn sie ihre eigene Kindheit aufgearbeitet hat.
Die Spannungen mit ihrer Mutter und das Schweigen über bestimmte Themen waren stets vorhanden. Erst nach dem Schreiben von „Biarritz“ fühlte sich Andrea bereit, die Belastungen der Vergangenheit zu bewältigen. Das Buch war für sie wichtig, weil es ihr half, die Furchtlosigkeit ihres Lebens zu verstehen. Für ihre Leser ist es ebenfalls ein wichtiger Text, der Mut machen und Trost spenden kann.
Ein Haushalt mit zwei Autoren
Andrea und ihr Mann Christian Berkel sind beide erfolgreiche Schauspieler und Autoren. Wie sieht ihr Alltag aus? „Wir reden kaum über unser Schreiben“, erzählt sie. „Das machen wir mit uns selbst aus.“ Ihre Arbeitsweisen unterscheiden sich: Christian ist morgens um sechs Uhr am Schreibtisch und arbeitet den ganzen Tag. Andrea hingegen ist eher sprunghaft und schreibt mal hier, mal da oder auch eine Woche gar nicht. Der Prozess des Schreibens ist für sie oft quälend und bedrückend, weshalb sie gerne auch flieht. Das Spielen liegt ihr mehr.
Tierschutz und gemeinsame Zeit
Andrea ist engagiert im Tierschutz und versucht seit Jahren, das Leid der Hunde in rumänischen Heimen zu lindern. Ihre Projekte laufen gut und machen sie glücklich. Obwohl ihr Mann Christian Berkel kurz nach ihrer Lesung in Düsseldorf seinen Roman „Sputnik“ präsentiert, ist eine gemeinsame Zeit nicht möglich. Daheim in Berlin warten drei Hunde darauf, betreut zu werden. Die Schauspielerin ist also mit ihrer Arbeit beschäftigt, aber immer noch für die Tiere da.

