„Kein freundliches Land“: Armin Mueller-Stahl plant die Auswanderung

Ein Schauspieler mit Sorgen für die Zukunft

Armin Mueller-Stahl, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler, hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Seine Erfolge reichen von der DDR bis Hollywood und umfassen viele ikonische Rollen. Doch im Alter von 94 Jahren blickt er nicht nur auf ein bewegendes Leben zurück, sondern auch mit Sorge in die Gegenwart. Die Entwicklungen in Deutschland sorgen bei ihm für Unruhe, was ihn sogar an eine radikale Entscheidung denken lässt: die Auswanderung.

Deutschland als “kein freundliches Land”

In einem Interview mit der Zeitschrift „Superillu“ äußert Mueller-Stahl seine Bedenken. Er bezeichnet das heutige Deutschland als „kein freundliches Land“. Besonders beunruhigend sind für ihn der zunehmende Antisemitismus und das Erstarken der AfD. Diese Entwicklungen erinnern ihn an die Zeit des Nationalsozialismus. „Ich habe das alles schon einmal erlebt. Die Nazizeit, den Zweiten Weltkrieg… Ich möchte das nicht noch einmal durchmachen“, warnt er.

Für Mueller-Stahl ist es keine leere Phrase, sondern eine tiefgründige Warnung. Er betont, dass er zwar in Deutschland seinen Lebensabend verbringen wollte, doch die aktuelle Situation zwingt ihn, über einen radikalen Schritt nachzudenken. „Mit meinem Sohn spreche ich darüber. Und wir überlegen auch, wohin wir im Ernstfall gehen könnten“, gesteht er.

Suche nach einem sicheren Ort

Die Idee, in ein anderes Land auszuwandern, ist für ihn keine spontane Entscheidung, sondern eine rationale Überlegung. „Das sind keine schönen Gedanken, aber die muss man sehr rationell durchgehen und durchsprechen“, erklärt er. Für ihn geht es darum, einen Ort zu finden, an dem seine Familie „angenehm und friedvoll“ leben kann.

Doch die Suche nach einem solchen Ort wird erschwert. Sein Zuhause in Kalifornien, das er seit vielen Jahren als Rückzugsort nutzte, wurde 2025 von Waldbränden zerstört. „Das hat meine Frau und mich sehr getroffen“, sagt er. Der materielle Verlust ist enorm, doch der ideelle schmerzt tiefer. „Ich trauere vor allem um meine ‚Guarneri‘, meine wunderbare Geige. Sie ist in den Flammen aufgegangen.“

Zusätzlich verlor er tausende Bilder, Filmkostüme und sein Doktorhut. Ein letzter Besuch blieb ihm verwehrt, was er sehr bedauert. Auch mit der Versicherung kämpft das Paar bis heute.

Offene Worte über das Alter und den Tod

Neben den politischen Sorgen spricht Mueller-Stahl auch offen über die persönliche Last des hohen Alters. „Altwerden ist keine besonders gute Erfindung vom lieben Gott“, resümiert er. Es laufe einfach nicht mehr alles so rund wie früher. Vor dem Tod selbst habe er jedoch keine Angst. „Wenn der Abpfiff kommt, dann kommt er. Und dann ist es so.“ Durch den Verlust vieler Weggefährten habe er Erfahrung mit diesem „Abpfiff“.

Dennoch gebe es Momente der Melancholie: „Manchmal horche ich in mich rein und denke, bald ist es so weit. Da hängt dann so ein Schatten über meiner Seele.“ Doch er sagt auch, dass es Tage gebe, an denen diese Gedanken wieder weit weg seien.

Eine Karriere, die ihresgleichen sucht

Am 17. Dezember feiert Armin Mueller-Stahl seinen 95. Geburtstag und blickt dabei auf eine Karriere zurück, die ihresgleichen sucht. Nach Erfolgen in der DDR und der Bundesrepublik gelang ihm der Sprung nach Hollywood. Filme wie „The International“, „Illuminati“ und die Thomas-Mann-Verfilmung „Buddenbrooks“ machten ihn weltweit bekannt. Für seine Rolle in „Shine – Der Weg ins Licht“ wurde er 1997 für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

Sein Leben ist geprägt von Kreativität, Mut und Engagement. Doch in seinem Alter fragt er sich nun, ob er noch lange in Deutschland bleiben kann – oder ob er sich eines Tages neu orientieren muss.

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