Angelika Mann ist tot – Schauspielerin auf der Bühne in Dresden
Eine ikonische Künstlerin aus der DDR
Angelika Mann, bekannt als „die Lütte“ aufgrund ihrer Körpergröße von 1,49 Metern, war eine der prägnantesten Künstlerinnen mit DDR-Wurzeln. Mit 76 Jahren verstarb sie, wie ihre Familie bestätigte. Ihre Karriere umfasste mehr als ein halbes Jahrhundert auf der Bühne, sowohl als Sängerin, Schauspielerin als auch Kabarettistin und Moderatorin. Sie hinterließ eine tiefgreifende Spur in der deutschen Kultur und bleibt bis heute in Erinnerung.
Frühe Jahre und die Berliner Präsenz
Manns Eltern lebten im Westen Berlins, als sie am 13. Juni 1949 geboren wurde. Doch ihr Vater, ein Arzt, erhielt eine Stelle im Berliner Stadtteil Buch, wodurch die Familie in den Osten zog. Die Mutter wollte später zurück in den Westen, doch der Mauerbau vereitelte dies. In ihrer Autobiografie „Was treibt mich nur“, die 2013 erschien, beschrieb sie das Leben unter ständiger Angst. Musik spielte schon früh eine große Rolle in ihrem Leben. Als Kind übte sie bis zu acht Stunden täglich Klavier, während sie als Teenager Bach und Beatles hörte.
Der Weg zur Bühne
Nach dem Schulabschluss absolvierte Angelika Mann eine Lehre in einer Apotheke. Doch ihr Interesse an der Bühne war unstillbar. In der Mittagspause sang sie den Kollegen Schlager vor. Eines Abends trat Udo Jürgens im Friedrichstadtpalast auf, und sie fuhr in einer Mittagspause zum Hotel – und wurde von Jürgens mitgenommen. In dieser Zeit stand sie bereits selbst auf der Bühne, am Wochenende in Tanzsälen der DDR.
Musikkarriere und Erfolg
In den 1970er-Jahren begann ihre Musikkarriere richtig. Zunächst arbeitete sie mit dem Komponisten Reinhard Lakomy zusammen. Ihre Stimme ist auf Lakomys millionenfach verkaufter Kinderschallplatte „Traumzauberbaum“ zu hören. Sie sang auch mit Manfred Krug und Uschi Brüning, war Frontfrau der Band Obelisk und moderierte die Sendung „Rockmusik zum Anfassen“ im DDR-Fernsehen.
Ausreise und neue Wege
Trotz ihres Erfolgs fühlte sich Mann in der DDR zunehmend unwohl. In ihrer Autobiografie schrieb sie über die trostlose Situation und die ständigen Kämpfe um Texte, Musik und Auftritte. Im Mai 1984 stellte sie einen Ausreiseantrag. Costa Cordalis gab ihr ihren Flügel mit, und ein Jahr später folgte sie mit ihrem Ehemann in den Westen. Dort fand sie schnell wieder Fuß und trat bei Theater-, Kabarett- und Musical-Produktionen auf.
Rückkehr nach Ostdeutschland
Nach dem Mauerfall kehrte sie in den Osten Deutschlands zurück und betrat viele Bühnen. So war sie 2013 in Dresden im Theaterstück „Kalender Girls“ zu sehen. Es folgten weitere Projekte wie „Heiße Zeiten“ und „Höchste Zeit!“. 2017 kehrte sie mit den „Kalender Girls“ auf die Bühne der Dresdner Comödie zurück. Im Herbst 2023 folgte die Revue „Himmlische Zeiten“, in der sie über Älterwerden sinnierte. 2025 wurde sie sogar das Spielzeitmotiv der Comödie-Saison.
Vielfältige Rollen und Preise
Neben ihrer Arbeit in der Comödie Dresden stand sie auch in anderen Theatern auf der Bühne. 2016 spielte sie als Oma Hedwig in „Die Weihnachtsgans Auguste“ und erhielt 2019 den Preis als Beste Darstellerin in einer Nebenrolle für ihre Rolle der Anne, Königin von England, in der Staatsoperette-Uraufführung „Der Mann mit dem Lachen“.
Kampf gegen Krebs
Ihr Leben war nicht frei von Schwierigkeiten. 2008 geriet sie in finanzielle Not durch einen betrügerischen Steuerberater. 2021 bekam sie eine Brustkrebs-Diagnose. Trotzdem blieb sie auf der Bühne, ließ nichts anmerken und trug Perücke. Im November 2022 schrieb sie auf Facebook, dass sie ihre letzte Chemotherapie-Tablette genommen habe. „Ich bin dankbar und demütig. Ich liebe das Leben.“

