Frankfurt: Von Turnerin zur Schauspielerin
Von der Kunstturnerin zur Schauspielerin
Annette Potempa hat eine beeindruckende Karriere hinter sich, die von ihrer Zeit als Kunstturnerin bis hin zu ihrer heutigen Rolle als Schauspielerin reicht. Die 49-jährige Wahl-Hessin ist in verschiedenen Produktionen in Frankfurt aktiv und zeigt, wie vielfältig ihre künstlerische Ausstrahlung ist.
Potempa trägt auf ihrem rechten Unterarm fünf ineinander verschlungene Ringe als Tätowierung. Diese erinnern sie an eine Phase ihres Lebens, die viele nicht mit ihr verbinden, wenn sie sie als Schauspielerin im Theater erleben. Für sie war diese Zeit jedoch sehr bedeutsam und prägte sie bis heute. Ihre Karriere begann mit dem Turnen, einem Sport, der sowohl Disziplin als auch Leichtigkeit erfordert.
Als Siebenjährige zog Potempa mit ihrer Familie aus Polen ins Ruhrgebiet. Dort setzte sie ihre sportliche Entwicklung fort und wurde schnell als Talent identifiziert. Ihre Karriere verlief „wie im Bilderbuch“, so Potempa selbst. Im Jahr 1988 wurde sie deutsche Schülermeisterin, ein Jahr später gewann sie Gold in der Jugendklasse und wurde in den Nationalkader berufen. Bei den Weltmeisterschaften 1991 in Indianapolis qualifizierte sie sich mit der deutschen Mannschaft für die Olympischen Spiele in Barcelona, wo sie mit der Mannschaft den neunten Rang erreichte. „Das war das Sahnehäubchen, definitiv“, sagt sie. Doch damals hatte sie noch nicht vollständig verstanden, welche Bedeutung diese Erfahrung für sie hatte.
Mit erst 17 Jahren beendete Potempa ihre Karriere als Kunstturnerin. Zwar trat sie noch in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt an, doch sie gab ihre Ambitionen, für große Ziele zu kämpfen, auf. „Ich hatte nicht mehr diesen Fokus“, erzählt sie. Frankfurt wurde für sie zur zweiten Heimat, wo sie vor der WM ein Jahr im Internat am Olympiastützpunkt verbrachte und Freunde fand. Die Stadt hat sie nie wieder losgelassen.
Nach dem Schulabschluss war Potempa zunächst orientierungslos. Eine Ausbildung zur Physiotherapeutin brach sie ab, doch während einer kurzen Auszeit probierte sie das Leben in der Musiktheaterszene aus. „Ich glaube, ich war noch von der Körperlichkeit des Turnens infiziert“, erklärt sie. Das Zusammenspiel von Tanz, Gesang und Spiel reizte sie. Sie absolvierte die Stage & Musical School und studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Doch der Weg in die Branche war nicht einfach.
„Ich kenne das: 16 Vorsingen, 16 Absagen“, sagt Potempa. Durchzuhalten und andere Wege zu finden, wenn es scheinbar nicht weiterging, halfen ihr die Erfahrungen aus dem Spitzensport. Während es für Frauen oft schwierig ist, mit zunehmendem Alter Rollen zu bekommen, läuft es für Potempa gerade gut. Mit drei Produktionen ist sie allein in Frankfurt präsent. „Aber schon morgen kannst du wieder herunterfallen“, betont sie.
Nachdem sie anfangs vor allem bei Musicals Fuß fasste, machte sie 2017 einen großen Schritt. Nach einem halben Jahr in Hamburg bei der Stage-Produktion „Das Wunder von Bern“ suchte sie nach Facettenreicherem. Sie lehnte Angebote ab, ließ sich noch mal auseinandernehmen und coachen, um jetzt die Tiefe des Sprechtheaters zu genießen. „Ich bin Realistin“, sagt Potempa. „Ich bin eine gute Allrounderin, aber keine Top-Sängerin.“ In Musicals sei die Rollenauswahl daher eng.
Mit ihrem Mann Dirk und ihrem Sohn Jaron lebt Potempa in Rödermark. Jeden Morgen aufzustehen und das zu machen, was sie liebt, empfindet sie als Privileg. Es war nicht leicht für sie, das Streben nach Perfektion abzulegen, das sie vom Turnen kannte. „Ich wollte alles kontrollieren“, statt im Inneren loszulassen und den Gefühlen freien Lauf zu lassen, „das hat mich viele Tränen gekostet“.
Um ihr Berufsleben dynamisch zu halten, will sie sich auch mehr dem Sprechen widmen. Mit ihrer jungen Stimme hat Potempa 2013 zahlreiche Gamer irregeführt, die sie in dem populären Videospiel „The Last of Us“ als „Ellie“ erlebten und dachten, sie sei „ein kleines Mädchen“. Sie wünscht sich, mal einen Disney-Film zu synchronisieren. Doch als Olympiaturnerin, die mit Stolz die symbolischen Ringe trägt, würde sie auch erkennen, „dass nicht jeder Traum in Erfüllung geht“.
Aktuelle Auftritte
Annette Potempa ist bis einschließlich 25. Januar in Ray Cooneys rasantem Krimi-Lustspiel „Außer Kontrolle“ in der Frankfurter „Komödie“, Neue Mainzer Straße 14–18, zu sehen. Von 31. Januar an spielt die 49-Jährige an der Seite von Gabriel Spagna bei der Wiederaufnahme des Zwei-Personen-Stücks „Der Abschiedsbrief“ von Audrey Schebat im Theater in der Engelsburg in Sindlingen mit. Am 27. Februar kehrt sie mit dem Darmstädter Theater Curioso und der „Tanzstunde“ von Mark St. Germain in das Theater Alte Brücke in Sachsenhausen zurück. Weitere Informationen gibt es unter www.annette-potempa.de.

