94 Jahre alt: Schauspielerin Ingrid van Bergen verstorben

Ein Leben voller Erfolge und Tragik

Ingrid van Bergen, eine der ikonischsten Schauspielerinnen des deutschen Films und Fernsehens, ist im Alter von 94 Jahren in Eyendorf verstorben. Eine Vertraute bestätigte den Tod der Künstlerin, die in den frühen Morgenstunden friedlich eingeschlafen sei. Ihre Freunde und Kollegen zeigten ihre Trauer und betonten, wie tief sie das Leben der Schauspielerin beeinflusst habe.

Frühe Jahre und Karrierebeginn

Geboren am 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr als zweites von vier Kindern des Dorfschullehrers Fritz van Bergen und seiner Ehefrau Ella, wuchs Ingrid van Bergen in einer kulturell reichen Umgebung auf. Vor ihrer Flucht aus Ostpreußen besuchte sie das Lyzeum in Zoppot und trat dort in verschiedenen Theatergruppen auf. 1950 schloss sie ihr Abitur in Reutlingen nach und begann danach mit unterschiedlichen Jobs – von Tänzerin auf der Reeperbahn bis hin zu Bürogehilfin und Fabrikarbeiterin.

Aufstieg im Kabarett und Film

1953 wurde Ingrid van Bergen in das satirisch-musikalische Kabarett „Die Kleinen Fische“ in München geholt. Fünf Jahre später wechselte sie zum Kabarett „Rendez-vous“ in Hamburg und schließlich zu den legendären Berliner „Stachelschweinen“. 1954 entdeckte Helmut Käutner sie für den Film und übernahm eine Nebenrolle in „Bildnis einer Unbekannten“. Danach folgten Rollen in Filmen wie „Des Teufels General“ (1955), „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959), „Genosse Münchhausen“ (1962) oder der Grass-Novelle „Katz und Maus“ (1967).

Zusammenarbeit mit internationalen Stars

Van Bergen arbeitete an der Seite von Größen wie Curd Jürgens, O. W. Fischer oder Heinz Rühmann, aber auch in internationalen Produktionen neben Kirk Douglas, Robert Mitchum, William Holden oder Giulietta Masina. Sie war in etwa 200 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen und verkörperte oft Bardamen, Prostituierte oder untreue Ehefrauen.

Tragischer Zwischenfall und Gerichtsurteil

Im Jahr 1977 ereignete sich ein tragischer Vorfall, der ihr Leben veränderte. In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar erschoss Ingrid van Bergen ihren damaligen Geliebten, den Finanzmakler Klaus Knaths, in ihrer Villa am Starnberger See. Ein psychiatrisches Gutachten stellte fest, dass sie zur Tatzeit stark durch Alkohol enthemmt war und sich in einem potenziellen Affektzustand befand. Im Juli 1977 wurde sie wegen Totschlags bei verminderter Schuldfähigkeit zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt und im Oktober 1981 vorzeitig entlassen.

Neuanfang und weiteres Engagement

Nach ihrer Entlassung gelang es Ingrid van Bergen zunächst nicht, an ihre alte Karriere anzuknüpfen. Sie tourte mit der Komödie „Vierzig Karat“ durch die Schweiz, Österreich und die Bundesrepublik, gestaltete Chansonabende und übernahm Nebenrollen in Krimi- und Familienserien. 1992 trat sie bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg in einer Doppelrolle als Mutter von Old Surehand und verwitterte Indianerin auf.

Engagement für Tiere und Medien

Seit 1994 kümmerte sie sich in ihrer Finca auf Mallorca um herrenlose Tiere und den Tierschutz. 2001 zog van Bergen mit ihren Tieren zurück nach Deutschland in die Lüneburger Heide. Im Januar 2009 nahm die Schauspielerin, die auch in zahlreichen Talkshows auftrat, mit 77 Jahren als bis dato älteste Kandidatin an der RTL-Reality-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ teil und wurde Dschungelkönigin.

Letzte Jahre und Abschied

In den letzten Jahren lebte Ingrid van Bergen in der niedersächsischen Gemeinde Eyendorf südlich von Hamburg. Ihr Leben war geprägt von Erfolgen, Tragik und einem starken Willen, trotz aller Herausforderungen weiterzumachen. Die Welt der Unterhaltung verlor eine ikonische Persönlichkeit, deren Spuren bis heute nachhallen.

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