Von Legende zur Tierschützerin: Brigitte Bardot ist tot
Der Aufstieg einer Filmikone
Brigitte Bardot, auch bekannt als B.B., war eine der ikonischsten Schauspielerinnen Frankreichs. Mit ihrer sinnlichen Ausstrahlung und unverblümten Art revolutionierte sie die Filmwelt und prägte ein neues Frauenbild. Ihr Durchbruch kam 1956 mit dem Film «Und immer lockt das Weib», in dem sie ihre Rolle als junge Frau mit einem Schmollmund und einer kastanienbraunen Mähne verkörperte. Nur 95 Minuten dauert der Film, doch sie genügten, um Bardot weltweit zum Star zu machen.
Ihre Karriere war zwar kurz, aber intensiv: In nur 21 Jahren drehte sie über 45 Filme, darunter Werke wie «Die Verachtung» von Jean-Luc Godard oder «Die Wahrheit» von Henri-Georges Clouzot. In diesen Filmen zeigte sie eine natürliche und ungezügelte Erotik, die bis dahin unbekannt war. Ihre Rolle als Sexsymbol und Mythos machte sie zur Ikone der 1950er Jahre.
Eine neue Weiblichkeit
Bardots erotische Freiheit setzte sich von den Schauspielkolleginnen ihrer Zeit ab. Während andere noch vorsichtig blieben, trat sie mit ihrer Schönheit und Sinnlichkeit offensiv auf. Mit ihrer Devise «Freiheit, Gleichheit, Sinnlichkeit» schockierte und faszinierte sie zugleich. Sie öffnete ihren Körper für die Fotografen, und aus ihren Beziehungen machte sie keinen Hehl. Zu ihren Liebhabern gehörten unter anderem der Sänger und Komponist Serge Gainsbourg sowie der Schauspieler Jean-Louis Trintignant.
Ihr Ehemann Roger Vadim, der ihr 1956 mit «Und immer lockt das Weib» zum internationalen Durchbruch verhalf, formte sie nach seinem Bild. Er trainierte mit ihr den berühmten Schmollmund und ließ ihre Haare blond färben. Mit ihm drehte sie auch den Film «Don Juan 73».
Zwischen Chanson und Kultstatus
Neben ihrer filmischen Karriere entdeckte Bardot auch die Welt des Chansons. Bekannt wurde sie durch Lieder von Serge Gainsbourg, darunter «Harley Davidson» und «Je t’aime… moi non plus». Obwohl sie die Veröffentlichung des letzteren Liedes aus privaten Gründen zunächst verhinderte, wurde es später ein Klassiker.
Bardot begann ihre Karriere bereits als 15-Jährige als Fotomodell und zierte Titelseiten renommierter Modemagazine. 1952 drehte sie in «Le Trou Normand» ihre erste Filmrolle. Vier Jahre später folgte «Und immer lockt das Weib», in dem sie im Evakostüm filmte.
Radikaler Rückzug
Mit rund 40 Jahren zog sich Bardot plötzlich aus dem Filmgeschäft zurück. Der Ruhm war für sie zum Alptraum geworden. «Für mich war es die Hölle. Ich hatte kein Leben. Ich war eine Gefangene meiner selbst», sagte sie später. Sie wollte nicht auf der Leinwand altern und entschied sich, ihre Karriere zu beenden.
In ihren Memoiren schrieb sie, dass sie immer davon geträumt habe, Ballerina zu werden und kranke Tiere auf einem Bauernhof zu pflegen. So wandelte sie von der Rolle der Filmlegende zur militanten Tierschützerin.
Von der Leinwand zur Tierrettung
Bardot gründete 1986 eine Stiftung im Kampf gegen Tierquälerei und verkaufte einen Teil ihres Privatbesitzes, um die Arbeit zu finanzieren. Sie lebte zurückgezogen in ihrer Villa «La Madrague» in Saint-Tropez und widmete sich der Rettung der Tiere. Nach ihr wurde auch ein Trimaran der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd benannt.
Die ewige Provokateurin
Auch nach ihrem Rückzug blieb Bardot laut und provozierend. Sie heiratete 1992 einen Vertrauten von Jean-Marie Le Pen und radikalisierte sich politisch. Mit ihren Tiraden gegen Homosexuelle, Linke, Obdachlose und Migranten geriet sie immer wieder ins Visier der Justiz.
Ihre Unangepasstheit blieb bis zuletzt prägend. So verteidigte sie öffentlich beschuldigte Schauspieler wie Gérard Depardieu und Nicolas Bedos. «Talentierte Männer werden in die tiefsten Kerker verbannt, nur weil sie einem Mädchen an den Hintern fassen», sagte sie. Bis ins hohe Alter hielt sie an ihrer Haltung fest: «Ich werde mein ganzes Leben lang sagen, was ich denke, ob das gefällt oder nicht.»

