Letzte Rolle im ARD-Dauerbrenner: Rolf Becker ist tot
Ein Leben im Rampenlicht und in der Politik
Rolf Becker, ein Schauspieler mit einer langen und vielfältigen Karriere, ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Er starb in einem Hospiz in Hamburg, seiner Wahlheimat. Sein Tod erfolgte einige Monate nach seinem runden Geburtstag, was den Abschied für viele Fans und Kollegen besonders traurig macht.
Becker war vor allem durch seine Rolle als Otto Stein in der beliebten ARD-Serie „In aller Freundschaft“ bekannt. Doch sein Lebenswerk umfasste weit mehr als nur diese Rolle. Er war in verschiedenen Fernseh- und Theaterproduktionen tätig und trug damit maßgeblich zur deutschen Medienlandschaft bei. Neben seiner künstlerischen Arbeit war er auch politisch aktiv, insbesondere als Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs. Sein Pazifismus wurde durch seine eigene Lebenserfahrung geprägt.
Familie und Karriere
Seine Kinder Ben und Meret Becker aus seiner ersten Ehe mit Monika Hansen sind ebenfalls Schauspieler und haben sich in der Branche einen Namen gemacht. Rolf Becker sah in seinen Kindern eine große Begabung und äußerte sich dabei manchmal sehr direkt. Während der Dreharbeiten zu einer gemeinsamen Folge in „In aller Freundschaft“ sagte er einmal über seinen Sohn: „Ich sage mal ganz krass, Ben ist der bessere Schauspieler.“
Er verglich sein eigenes Spiel mit dem seines Sohnes, wobei er betonte, dass er immer abgesichert gearbeitet habe, während sein Sohn wie ein Seiltänzer ohne Netz spiele. „Das ist flacher und hat nicht die Substanz“, fügte er hinzu.
Eine Karriere mit Höhen und Tiefen
Beckers erste Fernsehrolle hatte er 1962 in der Serie „Die Firma Hesselbach“. Diese Produktion gilt als eines der frühen Beispiele für deutsche Fernsehserien und war damals noch recht unbekannt. Doch seine Karriere machte rasch Fortschritte. Ab 2006 spielte er in „In aller Freundschaft“ die Rolle des Otto Stein in der fiktiven Leipziger Sachsenklinik. Die Serie ist bis heute sehr beliebt und hat konstant hohe Zuschauerzahlen.
Für Becker schloss sich mit dieser Rolle auch ein Kreis. Er wurde am 31. März 1935 in Leipzig geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Sein Vater war Wehrmachtsoffizier und starb im Zweiten Weltkrieg. Danach wuchs Becker in Schleswig-Holstein auf und machte in Bremen sein Abitur.
Nach seiner klassischen Schauspielausbildung in München Ende der 1950er Jahre geriet er kurzzeitig in Schwierigkeiten. Als Regisseur unternahm er einen Versuch, das Ensemble selbst regieren zu lassen, was letztendlich zu einer Sperre an allen deutschsprachigen Bühnen führte. Doch er fand schnell Engagements in Film und Fernsehen und kehrte ab den 70er Jahren auch ins Theater zurück.
Politische Aktivitäten
Neben seiner künstlerischen Arbeit war Rolf Becker auch stark in der Politik engagiert. Er setzte sich zusammen mit der Holocaustüberlebenden Esther Bejarano gegen Faschismus und Antisemitismus ein. Als Gewerkschafter unterstützte er in der Eurokrise Solidaraktionen für Griechenland und lehnte Spardiktate ab.
Sein Engagement war oft streitbar. So beteiligte er sich im internationalen Komitee zur Verteidigung des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. 2003 unterstützte er ein Gnadengesuch für den RAF-Terroristen Christian Klar und las öffentlich ein Grußwort der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette vor.
Ein kritischer Vogel
Als er im Jahr 2024 zum 90. Geburtstag von der „Sächsischen Zeitung“ gefragt wurde, ob er ein Linker sei, antwortete er mit seiner typischen Klugheit: „Ich bin ein kritischer Vogel, der gern verscheucht wird.“ Diese Antwort spiegelte sein Charakter wider – ein Mann, der sich nie in Schubladen stecken ließ und stets seine eigene Meinung hatte.

