Porträt einer Kämpferin

Ein Leben im Rampenlicht und im Schatten

Hildegard Knef, eine der ikonischen Figuren des deutschen Showbiz, wäre am 28. Dezember 100 Jahre alt geworden. Der Erste sendet ein Porträt, das ihre Selbstreflexionen, Erinnerungen und Wertungen in den Mittelpunkt stellt. Eine Frau, die es nie leicht hatte, aber stets den Mut fand, sich in den Vordergrund zu stellen. Sie suchte die Öffentlichkeit, weil sie glaubte, sie zu brauchen. „Ich will alles!“ war ihre Devise – eine Phrase, die ihr Leben prägte.

Geboren wurde sie 1925 in Ulm. Mit ihrer Karriere als Theater- und Filmschauspielerin, später als Sängerin und Autorin, machte sie sich schnell einen Namen. Erfolge wechselten sich mit Niederlagen ab. In einem Film der Grimme-Preisträgerin Luzia Schmid erzählt sie, dass zwischen diesen Extremen oft nichts lag. Doch sie liebte den Kampf mit der Boulevardpresse, war eine Meisterin darin, freche Fragen der Journalisten abzuwehren – auch in den Talkshows der frühen Fernsehzeiten.

Die Schauspielerin Nina Kunzendorf liest hierbei die Erinnerungen und Lebenskommentare der reflexionsstarken Hildegard Knef. So entfällt jeder Off-Kommentar, während ihre Tochter Christina und ihr letzter Ehemann Paul von Schell eigene Sichtweisen auf ihre Mutter teilen. „Bevor ich auftrete, möchte ich immer einen Beruf mit Pension“, sagt Knef. Doch sie braucht auch „den Rausch“, die „lebenslange Gemeinsamkeit aller“. Auch hier singt sie ihr Auftrittslied, das sie ab 1963 als Sängerin begleitete: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Es war einer von 80 Texten, die sie selbst schrieb. Romantik und Karriere-Verlangen gipfeln im dreifach wiederholten Ausruf: „Ich will!“

Heute denkt man an Hildegard Knef vor allem als Sängerin mit ihrer Bühnenpräsenz und dem Jubel der Fans. Ihre Rollen in Filmen wie „Die Mörder sind unter uns“ (1946) oder „Die Sünderin“ (1951) gerieten mit der Zeit in Vergessenheit, während ihre Swing-Band-Songs – manchmal sogar sehr persönliche Chansons – im Fokus standen. Als „Trümmerstar“ wurde sie verkauft und vom Filmvolk vereinnahmt, das wusste, was „seine“ Hilde leisten sollte. Glücklicherweise feierte sie später Triumph in New York mit dem Cole-Porter-Musical „Silk Stockings“ als Ninotschka.

Die NS-Zeit und ihre Reflexionen

Schon Wolfgang Staudtes erster deutscher Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“, in dem Knef eine ehemalige KZ-Insassin spielte, erfüllte nicht, was der Titel versprach. Die Rache eines anderen KZ-Gefangenen, der einen Massenmörder wiedererkannte, verlief im Sand. Ihre eigenen Erlebnisse in der NS-Zeit verdichten sich in einem Interview, in dem sie für ihre Generation plädiert – Kinder und Jugendliche, die von jeglicher Schuld freizusprechen seien. Gleichzeitig wehrt sie sich gegen die Vorstellung, dass Deutsche nach 1947 in Hollywood „auf Eis“ gelegt worden seien.

Sie nahm später gerne das Angebot an, in Willi Forsts „Die Sünderin“ die Hauptrolle zu spielen. Ein Melodram über eine ehemalige Prostituierte, die ihren Geliebten retten will und ihm schließlich dabei hilft, aus dem Leben zu scheiden. Bitter klagt sie später die Prüderie und Verlogenheit der deutschen Nachkriegsgesellschaft an. Sechs Jahre nach der Befreiung von Auschwitz suchten religiöse Konservative den moralischen Skandal.

Mit Regisseuren wie Carol Reed hatte sie immer wieder Pech, so betont sie selbst. Große Regisseure, aber keine großen Filme. Doch ihre Reflexionen über das Filmgeschäft gingen weit über Wehklagen hinaus. Sie glaubte, dass gute Filme von Drehbuchautoren und Regisseuren gemacht werden. Bei schlechten bleibt alles an den Schauspielern hängen. Filme wie „Die Sünderin“ machten „die Produzenten reich und mich verletzlich“, glaubte sie.

Der Umgang mit der Presse und die letzten Jahre

Atemberaubend, mit welchem Affront sie von den Interviewern der Boulevardpresse angegangen wurde. Ob sie nach Niederlagen nicht auch mal daran gedacht habe, aus dem Leben zu scheiden, fragte man. „Eine unglaubliche Anmaßung“ sei das, so wurde der Fragesteller zerlegt. „Das Leben schuldet uns nichts als das Leben. Alles andere haben wir selbst zu tun.“

Der Film setzt ganz auf die Optik der Großaufnahme – wie auch anders bei diesem Gesicht und diesem Profil. Am Ende wird gefragt, ob sie glücklich war. Ihre Tochter Christina antwortet: „Glücklich? – Ich hoffe, sie war zufrieden.“ Knef kämpfte auf ihrer letzten Tournee 1986 mit den Tränen. Da hat sie bereits ein neues OP-Gesicht, und auch der Hauch ihrer Stimme ist weg. Sie ist genauso glatt geworden wie ihre Haut.

Ein Dokumentarfilm, der die Vielfältigkeit und Tiefe dieser ikonischen Persönlichkeit zeigt. Ein Porträt, das nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre inneren Konflikte und Widerstände beleuchtet.

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