Adèle Exarchopoulos: “Nach der Geburt ist es schwer, zurückzukommen”

Adèle Exarchopoulos: Von der Goldenen Palme zur Mutterrolle

Adèle Exarchopoulos ist eine ikonische Figur in der Filmwelt. Mit 22 Jahren gewann sie die Goldene Palme für den Film „Blau ist eine warme Farbe“ und wurde über Nacht zum Star. Heute ist sie Mutter, alleinerziehend und spielt in dem dystopischen Thriller „Zone 3“ auf der Leinwand. In einem Gespräch sprach sie über die Herausforderungen des Berufslebens, die Rolle der Väter und den Mangel an Empathie in der Gesellschaft.

Die Angst vor der Zukunft

In „Zone 3“ wird ein dystopisches Paris gezeigt, in dem KI und Drohnen Kontrolle ausüben. Themen, die heute bereits Realität werden. Adèle Exarchopoulos sieht darin eine Spiegelung unserer heutigen Welt. Sie betont, dass wir bereits jetzt mit sozialer Spaltung, Ungleichheit und der zunehmenden Macht von KI konfrontiert sind. Der Film wirft die Frage auf, wie wir das Vertrauen ins Kollektiv wieder stärken können. Für sie ist es wichtig, gemeinsames Handeln zu fördern, um solche Ängste abzubauen.

Grenzen im Alltag

Als berufstätige Mutter und Filmstar hat Adèle selbst erlebt, wo die Grenzen liegen. Sie betont, dass Frauen immer noch viel Verantwortung tragen. Gleichberechtigung entsteht nicht nur durch Gesetze, sondern auch durch Haltung, Empathie und Anerkennung. Oft verpassen wir, was andere im Alltag durchmachen. Dies betrifft viele – nicht nur Frauen. Für Adèle bleibt die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Erwartungen eine große Herausforderung.

Woher kommt der Mangel an Empathie?

Adèle erklärt, dass der Mangel an Empathie oft auf die schnelle Lebensweise zurückzuführen ist. Entscheidungen müssen sofort getroffen, Antworten sofort geliefert werden. Dabei verlieren wir aus dem Blick, was wirklich zählt: Gesundheit, Freundschaften, Zeit und Natur. Diese innere Zerrissenheit hat sie an ihrer Rolle in „Zone 3“ gereizt. Ihre Figur Salia muss funktionieren, will alles richtig machen und merkt erst spät, dass sie Teil eines Systems ist, das sie selbst infrage stellen sollte. Diese Spannung faszinierte sie enorm.

Raum für sich selbst finden

Viele Frauen fühlen diesen Druck, immer funktionieren zu müssen. Wie schafft man es, sich selbst wieder Raum zu geben? Adèle glaubt, dass Sanftheit fehlt – sowohl für uns selbst als auch bei anderen. Obwohl sich vieles verändert hat, tragen Frauen weiterhin die größere Last. Das Jonglieren zwischen Arbeit, mentaler Belastung, Entscheidungen und Care-Arbeit bleibt komplex und intim.

Die Last auf den Schultern der Frauen

Ja, wir müssen so viel gleichzeitig leisten: Job, Pflegearbeit, Familie – und dabei noch gut gelaunt, professionell und präsent sein. Adèle erinnert sich an eine junge Frau, die während eines Interviews ihr Baby in den Schlaf wiegen musste. Sie war beeindruckt von der Ruhe und Freundlichkeit dieser Situation. Nach einer Geburt ist es unglaublich schwer, wieder Fuß in der Berufswelt zu fassen, da diese oft keine Rücksicht nimmt.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

In Deutschland ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft nicht einfach. Adèle hat großes Glück, ihre Eltern in der Nähe zu haben. Sie sind eine unglaubliche Unterstützung. Ohne sie könnte sie Filme wie „Zone 3“ nicht drehen. Manchmal begleiten sie sie zu Drehs, manchmal wohnen sie bei ihr. Für sie bedeutet das, Phasen zu jonglieren, in denen sie mal weniger und mal mehr präsent ist.

Flucht als Notwendigkeit

Im Film entflieht die Elitepolizistin Salia ihrem harten Alltag in Karaoke-Bars und dem Nachtleben. Wie wichtig ist Eskapismus für Adèle selbst? Sie glaubt, dass Flucht lebensnotwendig ist – nicht, um wegzurennen, sondern um Luft zu holen. Wenn alles zu schwer wird, brauchen wir Orte, an denen wir wieder lebendig werden. Ob Tanzen, Karaoke oder nachts allein spazieren gehen – es geht darum, wieder mit sich selbst und dem Leben in Verbindung zu kommen.

Was würde ich meiner jungen Selbst sagen?

Was würde Adèle der 22-jährigen Adèle sagen? Mit 22 war sie rastlos und voller Leidenschaft. Sie wollte alles erleben, alles wissen, alles verstehen. Heute weiß sie, dass wir nur sehr wenig kontrollieren können – und dass das völlig okay ist.

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