Kurz vor 95: Armin Mueller-Stahl denkt an die Auswanderung

Ein Schauspieler mit Sorge für die Zukunft

Armin Mueller-Stahl ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, die in Hollywood nicht nur Fuß gefasst, sondern auch Erfolg und Anerkennung gefunden haben. Doch im Alter von 95 Jahren blickt er weniger auf seine glanzvollen Jahre zurück, sondern vielmehr mit Sorge auf die Gegenwart. In einem Interview mit der Zeitschrift “Superillu” äußert er sich besorgt über die aktuelle Situation in Deutschland. Er bezeichnet das Land als „kein freundliches Land“ und kritisiert die Entwicklungen, die er als „nicht sehr erbaulich“ empfindet.

Antisemitismus und AfD: Gründe für die Unruhe

Mueller-Stahl nennt konkret den zunehmenden Antisemitismus und das Erstarken der AfD als Gründe für seine Sorgen. Für den Schauspieler, der 1930 in Tilsit im damaligen Ostpreußen geboren wurde, fühlen sich diese Entwicklungen wie ein bitteres Déjà-vu an. Er erinnert sich an die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg und betont, dass er dies nicht noch einmal durchmachen möchte.

Gedanken an die Auswanderung

Diese Sorge geht so weit, dass Mueller-Stahl, der ursprünglich in Deutschland seinen Lebensabend verbringen wollte, über einen radikalen Schritt nachdenkt: die Auswanderung. In einem Gespräch mit seinem Sohn diskutiert er mögliche Ziele, an denen die Familie „angenehm und friedvoll“ leben könnte. Der Schauspieler betont, dass es sich dabei nicht um impulsive Überlegungen handelt, sondern um sorgfältige Planungen für den Ernstfall.

Verlust eines Zuhauses in Kalifornien

Die Suche nach einem sicheren Ort wird dadurch erschwert, dass sein langjähriger Rückzugsort in den USA nicht mehr existiert. Sein Haus in Kalifornien fiel den schweren Waldbränden im Januar 2025 zum Opfer. Der Schicksalsschlag traf ihn und seine Frau besonders schwer. Neben dem materiellen Verlust leidet Mueller-Stahl besonders unter dem Verlust seiner „Guarneri“, einer wunderbaren Geige, die in den Flammen verging. Auch tausende Bilder, Filmkostüme und sein Doktorhut wurden zerstört. Ein letzter Besuch blieb ihm verwehrt, was er sehr bedauert. Zudem kämpft das Paar bis heute mit der Versicherung.

Keine Angst vor dem Tod

Neben den politischen Sorgen spricht Mueller-Stahl offen über die persönlichen Herausforderungen des hohen Alters. „Altwerden ist keine besonders gute Erfindung vom lieben Gott“, resümiert er. Es laufe einfach nicht mehr alles so rund wie früher. Vor dem Tod selbst habe er jedoch keine Angst. Er vergleicht das Ende des Lebens mit einem sportlichen Abpfiff: „Wenn der Abpfiff kommt, dann kommt er. Und dann ist es so.“ Durch den Verlust vieler Weggefährten hat er Erfahrung mit diesem „Abpfiff“. Dennoch gibt es Momente der Melancholie: „Manchmal horche ich in mich rein und denke, bald ist es so weit. Da hängt dann so ein Schatten über meiner Seele.“ Doch er betont auch, dass es Tage gebe, an denen diese Gedanken wieder weit weg seien.

Eine Karriere mit internationaler Anerkennung

Am 17. Dezember feiert Armin Mueller-Stahl seinen 95. Geburtstag und blickt dabei auf eine Karriere zurück, die ihresgleichen sucht. Nach Erfolgen in der DDR und der Bundesrepublik gelang ihm der Sprung nach Hollywood. Filme wie „The International“, „Illuminati“ und die Thomas-Mann-Verfilmung „Buddenbrooks“ machten ihn weltweit bekannt. Für seine Rolle in „Shine – Der Weg ins Licht“ wurde er 1997 für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Sein Name bleibt bis heute ein Synonym für Talent, Engagement und internationale Anerkennung.

Similar Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *