Brigitte Bardot: Ruhm und Radikalität im Leben

Die Legende der „Leinwandgöttin“

Brigitte Bardot war eine Ausnahmeerscheinung, die in der Welt der Filmkunst und der Popkultur einen bleibenden Eindruck hinterließ. Mit ihrem unverwechselbaren Stil, ihrer strahlenden Schönheit und ihrer charismatischen Persönlichkeit wurde sie zur Ikone. Ihre Fotos aus den 1950er-Jahren übertreffen bis heute jene aus späteren Jahren, und ihre Namen oder Initialen sind international als Markenzeichen bekannt.

Ein Lied, das auf sie verfasst wurde, trug den Titel „Initialen BB“, ein Name, der sich schnell zu einer ikonischen Bezeichnung entwickelte. Am Sonntag gab ihre Stiftung den Tod der Schauspielerin bekannt – sie war 91 Jahre alt geworden.

Bardot verkörperte eine Mischung aus Freiheit und Provokation. Der Schmollmund, die Zahnlücke beim Lachen, die dunklen Augen mit Eyeliner umrahmt, die blonde Mähne und die weiblichen Kurven machten sie zum Symbol der begehrten und zugleich selbstbestimmten Frau. Selbst nachdem sie sich von ihrer Rolle als Schauspielerin und Sängerin zurückgezogen hatte, blieb sie eine Kultfigur.

Ihre zweite Lebenshälfte verschrieb sie dem Tierschutz und der Gründung ihrer eigenen Stiftung. Medialer Rummel akzeptierte sie nur noch, wenn er für diese Sache dienlich war. Sie war nicht nur aufgrund ihres Ruhms bekannt, sondern auch durch ihre oft provokanten Aussagen. So erklärte sie einmal: „Ich bin mehr Tier als Mensch.“ Sie fühlte sich keiner Gattung wie der menschlichen zugehörig, solange Tiere als minderwertig betrachtet würden.

In Bezug auf ihren Sohn Nicolas-Jacques, den sie mit ihrem zweiten Ehemann Jacques Charrier hatte, sagte sie: „Mir wäre es lieber gewesen, einen Hund zu gebären.“

Politische Positionen und Skandale

Bardot war bekannt für ihre politischen Positionen am äußersten rechten Rand. Mehrfach wurde sie wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Keine halben Sachen, keine Gefälligkeiten – auch dies war „BB“.

Geboren in Paris, wuchs sie in einem streng katholischen Elternhaus auf. Eigentlich wollte sie Primaballerina werden, doch ihr Weg führte sie in die Filmbranche. Mit 15 Jahren stand sie auf der Titelseite der Zeitschrift „Elle“. Der Regisseur Marc Allégret sah sie und lud sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. Es kam nicht sofort zu einer Zusammenarbeit, doch sie lernte dort Roger Vadim kennen und verliebte sich in ihn.

Als ihre Eltern sie in ein Internat stecken wollten, wehrte sie sich mit einem dramatischen Selbstmordversuch. Danach versprach sie, nicht vor ihrem 18. Lebensjahr zu heiraten. So geschah es auch. Vadim wurde ihr erster Ehemann.

Karriere und Erfolg

Noch vorher hatte sie einen ersten Auftritt in „Crazy for love“ („Le Trou normand“) von Jean Boyer. Es folgten weitere Rollen. Der Durchbruch kam 1956 mit der Hauptrolle in „Und ewig lockt das Weib“ ihres Gatten Vadim an der Seite von Curd Jürgens und Jean-Louis Trintignant. Prompt begann sie eine Affäre mit Trintignant.

Der Film wurde in den USA gefeiert, wo sie mit ihrem entfesselter Mambo-Tanz zu einer der berühmtesten Französinnen wurde. Sie symbolisierte eine neue sexuelle Freizügigkeit, lange vor der 68er Revolution.

Die Zeitschrift „Cinémonde“ bescheinigte Bardot den „Sex Appeal von Marlene Dietrich, den Glamour von Ava Gardner, den Pep von Marilyn Monroe“. Dieser „explosiven Mischung“ füge sie noch „einen Hauch persönliche Fantasie“ hinzu.

Rückzug und Engagement für den Tierschutz

Bardot wurde zur Trendsetterin, brachte das Vichy-Karo und die Ballerinas in Mode und war 1958 bereits die am besten bezahlte französische Schauspielerin. Sie spielte in „Viva Maria!“ von Louis Malle an der Seite von Jeanne Moreau, in Klassikern wie „Die Wahrheit“ von Henri-Georges Clouzot oder in „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard, drehte mit den berühmtesten Regisseuren und Filmpartnern, jettete um die Welt, reihte die Liebhaber aneinander.

Mit dem deutsch-schweizerischen Industriellen-Erben Gunther Sachs avancierte sie zum Glamour-Paar, das allerdings nur drei Jahre hielt. Sie nahm mit Serge Gainsbourg kecke Lieder wie „Bonnie and Clyde“ oder „Comic Strip“ auf und stand als erste Schauspielerin Modell für die Nationalfigur Marianne.

Nach 45 Filmen und mehr als 70 Liedern kündigte sie 1973 abrupt ihr Karriere-Ende an und sagte damit auch dem Jet-Set-Leben Adieu. Sie zog sich in ihr Anwesen „La Madrague“ in Saint-Tropez zurück, wo sie bis zuletzt etliche Hunde, Katzen und Pferde, Schafe, Esel und Tauben hielt.

Engagement für Tiere und politische Aussagen

Seit 1992 lebte sie dort mit ihrem vierten Ehemann Bernard d’Ormale, einem früheren Berater des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. Bardot erhielt die Erlaubnis, auf dem Strand Betonmauern zum Schutz vor Paparazzi zu bauen.

Ihr unermüdlicher Einsatz für den Tierschutz begann 1976 mit dem Kampf gegen die Robbenjagd in der Arktis und Fotos auf dem Packeis mit Robbenbabys. Sie überzeugte den damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d`Estaing davon, 1977 den Import von Robbenhaut und -pelz zu verbieten.

„Ich habe meine Jugend und meine Schönheit den Männern gegeben“, schrieb Bardot einmal. „Nun gebe ich meine Weisheit, meine Erfahrung und das Beste von mir den Tieren.“ Für die Gründung ihrer eigenen Stiftung versteigerte sie etliche ihrer Besitztümer, darunter einen Diamantring ihres früheren Ehemanns Gunter Sachs – er selbst war es, der ihn zurückkaufte als Spende.

Kontroversen und Kritik

Sie führte einen politischen Kampf gegen die Gefangenschaft von wilden Tieren, den Transport von Schlachttieren, gegen Pelze, Tierversuche, Tierkämpfe, gegen die Robben- und die Waljagd. Sie traf den Dalai Lama und Papst Johannes Paul II., schrieb an Präsidenten und Minister, appellierte an den Modemacher Jean-Paul Gaultier, keine Pelze mehr zu verarbeiten oder kritisierte Sophia Loren für das Tragen von Pelz.

Auf einen Boykott-Aufruf südkoreanischer Produkte während der Fußball-WM 2002 hin, um gegen den dortigen Konsum von Hunden und Katzenfleisch zu protestieren, erhielt sie nach eigenen Angaben 7.000 Todesdrohungen.

Feinde machte sich Bardot, die politisch die Rechtspopulistin Marine Le Pen und zuvor schon deren Vater Jean-Marie Le Pen unterstützte, auch mit manchen extremen Aussagen, vor allem mit der scharfen Kritik an der Immigration und am Islam, für die sie mehrmals zu hohen Geldbußen verurteilt wurde.

„Mein Land, Frankreich, meine Heimat, mein Boden, wird erneut (…) von einer ausländischen Überbevölkerung heimgesucht“, schrieb sie etwa. „Diese islamische Überschwemmung müssen wir gegen unseren Willen ertragen und alle Traditionen dagegen verteidigen.“

Die Bewohner der französischen Insel La Réunion nannte sie aufgrund von Tier-Misshandlungen, die dort vorgekommen waren, „Entartete“ und erntete einen Sturm der Entrüstung. In ihrer Autobiografie „Ein Schrei in die Stille“ kritisierte Bardot Frauen, die als Ministerinnen in die Regierung eintraten, seien „nicht an ihrem Platz“.

„Die Frauen, wenn sie sich ihrer Vorzüge zu bedienen wissen, werden immer die Macht haben, die Männer vor ihren geringsten Wünschen einknicken zu lassen.“ Sie bräuchten dafür doch keine Ämter – eine Aussage, die erstaunte und enttäuschte von einer Person, die doch als Modell für selbstbewusste Frauen angesehen wurde.

Aber vereinnahmen lassen wollte sie sich nicht. „Für die Emanzipation der Frauen kann ich nichts“, sagte sie einmal. „Ich habe gelebt, wie ich es wollte und tue es noch.“

Widersprüchlich und radikal, verletzlich und verletzend, unsicher und ihrer eigenen Wirkung doch sehr deutlich bewusst – das alles war BB, eine der größten Schauspielerinnen Frankreichs.

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