Harry und Sally-Regisseur Rob Reiner und Ehefrau tot: Sohn unter Verdacht

Der Film, der die Liebe veränderte

In der ursprünglichen Drehbuchfassung von „Harry und Sally“ sollten die Protagonisten am Ende getrennte Wege gehen. Dies war im Einklang mit der Prämisse, dass „Männer und Frauen keine Freunde sein können“. Doch während der Filmaufnahmen zu diesem Jahrhundertwerk lernte Rob Reiner, damals bereits ein Mal geschieden, die Fotografin Michele Singer kennen. So gut, dass er plötzlich an die Dauerhaftigkeit der Liebe glaubte. Diese Erfahrung führte dazu, dass er den Schluss des Films änderte – eine Entscheidung, die ihm später zum ewigen Ruhm verhalf.

Die berühmten Szenen, die den Film in das Pantheon der Kino-Geschichte einreihten, sind besonders beeindruckend. Die Szene, in der Sally (Meg Ryan) vor den Augen von Harry (Billy Crystal) im New Yorker Traditionslokal „Katz’s“ grandios einen Orgasmus vortäuscht, ist bis heute unvergesslich. Auch die Pointe mit der älteren Dame am Nebentisch, gespielt von Reiners eigener Mutter Estelle, bleibt im Gedächtnis: Sie beobachtet die Szene genau und sagt mit hinreißendem Timing zur Bedienung: „Ich will genau das, was sie hatte.“ – „I‘ll have what she’s having.“

Ein tragischer Verlust

Rob Reiner und seine Ehefrau Michele Singer Reiner waren über 35 Jahre glücklich verheiratet. Am Sonntagnachmittag wurden sie laut Medienberichten von ihrer Tochter Romy in ihrem Haus in einem Nobelviertel von Los Angeles tot aufgefunden. Erstochen, wie die Polizei sagte. Die Behörden gehen von einem Mordfall aus, der landesweit Bestürzung ausgelöst hat; so beliebt war der für seine warmherzige, melancholisch-humorvolle Art bekannte Sohn des berühmten Komikers Carl Reiner.

„Mit tiefster Trauer geben wir den tragischen Tod von Michele und Rob Reiner bekannt. Wir sind untröstlich über diesen plötzlichen Verlust und bitten in dieser unvorstellbar schweren Zeit um Wahrung unserer Privatsphäre“, heißt es in einer Mitteilung der Familie Reiner. Die möglichen Hintergründe lösten Schockwellen aus: Am Montagmorgen wurde Nick Reiner, einer der beiden Söhne des Power-Paars, als Tatverdächtiger in U-Haft genommen. Seine Verhaftung fand bereits am Sonntagabend statt. Die Kautionssumme ist laut „Los Angeles Times“ auf vier Millionen Dollar festgelegt worden. Nick Reiner hatte eine schwierige Achterbahnfahrt zwischen Drogen, Entzug und Obdachlosigkeit hinter sich – 2015 unter der Mitwirkung von Reiner Senior in dem sehenswerten Streifen „Being Charlie“ verfilmt.

Eine Karriere voller Vielfalt

Rob Reiner hatte in seiner sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere als Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent an Filmen verschiedener Genres mitgewirkt. Gerichtsdramen wie „Eine Frage der Ehre“ mit Tom Cruise oder „Das Attentat“ mit Whoopi Goldberg gehören dazu wie die Märchenkomödie „Die Braut des Prinzen“ und der Psychothriller „Misery“ aus dem Jahr 1990 nach der Vorlage von Stephen King. Reiner interessierte sich mehr für die Humanität seiner Figuren als für die Gewaltakte, zu denen sie in der Lage waren.

Sein Talent muss er geerbt haben. In seinem jüdischen Elternhaus gingen die Größen der amerikanischen Comedy ein und aus: Mel Brooks, Sid Caesar, Norman Lear. Vater, Carl Reiner schuf in den 1960er Jahren die legendäre „The Dick Van Dyke Show“, bekam den renommierten „Mark Twain Prize for American Humor“ zugesprochen und wurde mit einem Dutzend Emmys und Grammys ausgezeichnet. Rob Reiners erster eigener Film 1984 wurde dann auch eine satirische Dokumentation über eine fiktionale Rockband: „This is Spinal Tap“.

Ein Leben für die Demokratie

Reiner hatte aber noch ein zweites Leben – als Aktivist und energischer Förderer liberaler Ideen und der demokratischen Partei in Kalifornien und darüber hinaus. Er setzte sich für Präsidentschaftskandidaten wie Al Gore ein, unterstützte die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton bei ihrer Präsidentschaftskandidatur 2016 und sprach sich 2024 für die Wiederwahl von Joe Biden aus. Nicht verwunderlich: Reiner war ein unerbittlicher Kritiker von Präsident Donald Trump, den er als Plage für sein Land ansah. Noch vor Kurzem warnte er davor, dass die USA vollends in eine Autokratie abdriften würden, wenn dem Rechtspopulisten nicht Einhalt geboten wird.

An der Westküste setzte sich Reiner 1998 für eine Steuer auf Tabakprodukte ein, um mit den Einnahmen Programme zur frühkindlichen Förderung zu unterstützen. 2005 schloss er sich mit den Gewerkschaften zusammen, um Maßnahmen des damaligen republikanischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger anzufechten. 2006 lehnten die Wähler eine von ihm angeführte Initiative ab, die, wenn sie erfolgreich gewesen wäre, die Einkommenssteuern für Spitzenverdiener erhöht hätte, um eine halbtägige Vorschule für alle Vierjährigen in Kalifornien zu finanzieren. Später unterstützte er eine Kampagne, um den Obersten Gerichtshof davon zu überzeugen, die gleichgeschlechtliche Ehe als verfassungsmäßiges Recht zu etablieren.

Erinnerungen an einen Meister

Barack Obama ehrt verstorbenen Reiner für „lebenslanges Engagement“. Reiners Reputation entsprechend verbeugten sich am Montag viele Prominente nicht nur aus Hollywood vor seinem Lebenswerk, darunter der ehemalige Präsident Barack Obama. Er schrieb: „Hinter all den Geschichten, die er produzierte, stand ein tiefer Glaube an das Gute im Menschen – und ein lebenslanges Engagement, diesen Glauben in die Tat umzusetzen. Zusammen führten er und seine Frau ein Leben, das von Sinnhaftigkeit geprägt war. Sie werden für die Werte, für die sie eintraten, und die unzähligen Menschen, die sie inspirierten, in Erinnerung bleiben.“

Das Viertel im Fokus

Der gewaltsame Tod der Reiners wirft abermals ein Schlaglicht auf Brentwood. Die idyllische Promi- und Reichen-Enklave in Los Angeles mit ihren hinter hohen Hecken versteckten Villen, in denen Stars wie LeBron James, Arnold Schwarzenegger und Disney-Boss Bob Iger leben, ist nicht zum ersten Mal Schauplatz einer Bluttat mit landesweiter Ausstrahlung. Der Football-Star O.J. Simpson lebte hier, als seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson 1994 brutal ermordet wurde. Auch das Haus im spanischen Kolonialstil, in dem 1962 der Hollywood-Star Marilyn Monroe starb, gehört zum Viertel, das sich um das 1948 eröffnete Einkaufszentrum „Brentwood Country Mart“ etabliert hat.

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